
Bischof Gmür erinnert in Pruntrut an christliche Nächstenliebe
Pruntrut JU, 29.1.12 (Kipa) Erstmals ist Felix Gmür als Bischof von Basel ins jurassische Pruntrut gereist, um an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen. Der Anlass lockte am Mittwoch 300 Personen an. Der Bischof warnte davor, Menschen auszuschliessen, denn Gott wolle "uns" alle als Menschen.
Über den grossen Andrang zeigte sich der Bischof überrascht. Er machte dann die Brücke zur Region Pruntrut, "die auch etwas die meine ist", nicht weil die Region zum Gebiet des Bistums Basel gehört und in der Vergangenheit Bischöfe im Ort residierten, "sondern auch weil mein Vater das Gymnasium im Ort besuchte".
Der Bischof sprach über seine Zeit als 16- bis 17-Jähriger. Auch er habe sich damals mit Fragen über seine eigene Identität, seine Zukunft und seiner Rolle in der Gesellschaft auseinandergesetzt. Er interessierte sich wie alle Jugendlichen für die verschiedenen Strömungen in Philosophie, Ideologien und Religionen. Das Interesse galt dem Buddhismus, dem Islam und "natürlich auch dem Christentum. Ich habe entdeckt, dass ich Christ sein kann, weil Gott, der Vater Christi, der Mensch wurde, in der Hauptsache ein Gott ist, der uns als Menschen will. Diese Erkenntnis hat mich gestärkt und überzeugt mich nach wie vor".
Kein Ausschluss von Menschen
Der Bischof veranschaulichte seine Aussage an den Gefangenen, die aus welchen Gründen auch immer im Schloss des Fürstbischofs in Pruntrut geschmachtet haben. Sie und auch die Migranten von heute "sind Menschen wie wir". Man könne nicht sagen, man liebe Gott, wenn man bei den Menschen, die man liebt, eine Auswahl treffe.
Auf die Ökumene angesprochen, erwiderte Gmür: Man müsse Schritt für Schritt vorwärts gehen wie auch bei Fragen, die das Zölibat oder das Diakonat der Frauen betreffen. Beim Zusammengehen von Reformierten und Katholiken bestehe auf der institutionellen Ebene kein Fortschritt. Er sehe aber einen solchen auf lokaler und pfarreilicher Ebene, wo Menschen zusammen kommen, um ihren Glauben an einen gemeinsamen Christ und an gemeinsame christliche Werte zu bekunden.
Was die Zuhörer auch interessierte, war die Position der Kirche zu sexuellen Fragen. Es sei sehr schwierig, diese Position zu vermitteln, sagte Gmür. Dies sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, weil diese ethische Position immer in Zusammenhang mit Verboten gesehen wurde. Gmür schloss seinen Auftritt in Pruntrut mit den Worten: "Die Kirche ist eine riesige Baustelle, die in Entwicklung ist."
(kipa/pt/nd/gs)
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